Vertiefung: Verschiedene Konflikttypen

Bei der intensiven und praktischen Beschäftigung mit Konfliktspiel auf Liverollenspielen ist uns aufgefallen, dass es eine ganze Reihe von verschiedenen Konflikttypen gibt. Dabei wollen wir unterscheiden zwischen den unterschiedlichen Ansprüchen und Belastbarkeiten der Mitspieler auf der einen Seite und den Konfliktspieltyp, den man im Rahmen seines Charakterkonzeptes festlegen oder ausprägen kann auf der anderen Seite.

 

OT-Konfliktspieltypen, extreme und übertriebene Beispiele:

Es gibt sicher eine ganze Reihe weiterer Konfliktspieltypen von OT-Personen, doch mit der etwas humorigen Aufzählung weiter unten, wollen wir lediglich dafür sensibilisieren, dass die Bereitschaft zu Konfliktspiel von vielen Faktoren abhängt. Nicht jeder Spieler auf einem Con möchte in IT-Konflikte verwickelt werden oder bis zum Äußersten gehen. Man muss sich also darauf einstellen, dass hier die Präferenzen, Erwartungen und auch die Belastbarkeit des Gegenübers gänzlich unterschiedlich sein können. Wenn man intensives Konfliktspiel schätzt, so sollte man sich möglichst schon vor dem Spiel Gleichgesinnte suchen. Für den Beginn eignen sich vor allem Leute aus dem eigenen Freundeskreis oder Spieler, die einem schon länger bekannt sind. Wählt man sich Unbekannte für die Konfrontationen aus, so ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn man weiß nie, welchem OT-Konfliktspieltypen man gerade begegnet.

  • Der Hardcore-/Jack-Ass-Konfliktspieler: Harte Konflikte beim LARP sind sein wichtigster Spielinhalt. Direkt nach Spielstart sucht er sich die Mitspieler mit den potentiell höchsten Konfliktspielmöglichkeiten aus, provoziert sie, beschimpft sie und verhält sich in jeder Hinsicht so, dass es früher oder später in Streit, Prügeleien oder schlimmeres eskaliert. Dabei findet er es toll, wenn er am Ende in Schlamm getunkt, mit Kunstblut überschüttet, mit halbzerrissenen Klamotten und ein paar blauen Flecken im Keller des Hauses endet. Denn im Spiel kann man sich schon mal ordentlich streiten, ist ja schließlich nicht OT.
  • Der kuschelige Harmoniebär-Nichtkonfliktspieler: Eigentlich hat er in seinem Leben schon genug Stress, Streit und Konflikte. Deswegen geht es ihm beim LARP um ein kooperatives, freundliches und respektvolles Miteinander. Laute Worte strengen ihn OT an, Streit geht er aus dem Weg und Polsterwaffengeklopfe ist eher was für die Prügel-Fans. Bloß keine Konflikte, die über einen grimmigen Blick oder mal ein scharfes Wort hinausgehen. Es klappt ja auch, wenn wir alle nett miteinander diskutieren und dann abstimmen.
  • Der Divergenz-zum-Charakterkonzept-Konfliktspieler: Jemand spielt einen fiesen Ork in Weiden, möchte aber lieber kuscheliger Harmoniebär sein oder ist die sanfte Schneiderin aus dem kleinen Dörfchen, die aber lieber mal Thorwalscher Schläger geworden wäre. Wenn die persönlichen Konfliktspielpräferenzen maßgeblich vom Charakterkonzept abweichen, wird’s für einen selbst und die Mitspieler selten gut.
  • Der Meta-Konfliktspieler: Jeder Blick sitzt, jedes Wort ist präzise gewählt, es gibt ein ausgearbeitetes Konzept für die Konflikte des Charakters, die sich genau an den Ebenen des ADG-Konzeptes orientieren. Optimale Deeskalation, gewechselt von Duell-Verabredungen und Eskalations-Impulsen und dabei irgendwie den eigenen Spielspaß vergessen und ganz verpasst, dass er einfach mal hätte vor sich Hinspielen müssen, anstatt völlig zu verkopfen und nicht mehr authentisch zu wirken.
  • Der blutige Anfänger: Vollkommen überfordert von tausenden Eindrücken, tollen Gewändern, Schlafmangel, Orkangriffen, Plotgegenständen und einer spannenden Geschichte wird er plötzlich von irgendeinem Mitspieler angeraunzt und in Konfliktspiel gezogen, ohne eine Ahnung zu haben, was das überhaupt soll, geschweige denn ein Verständnis für dieses Spielangebot zu haben. Es bleibt nur die Flucht zum Griff der Waffe.

 

IT-Konfliktspieltyp – Oder: Wie halte ich das mit meinem Charakter

Nur weil ihr besondere Präferenzen zu eurem Konfliktspielverhalten habt, müsst ihr das nicht mit jedem eurer Charaktere auf die gleiche Art und Weise praktizieren. Es macht Sinn, als auch Spaß, Verschiedenes auszuprobieren. So lässt sich mit dem Praioten sicherlich anderes erleben, als mit dem friedliebenden Heiler, dem skrupellosen Beherrschungsmagier oder dem Schriftkundigen. Wir können also jedem nur empfehlen, zu überlegen, wie der eigene Charakter mit Konflikten umgeht und diese Erwägungen zum Bestandteil eines umfassenden Konzeptes zu machen. Dazu können euch folgende Fragen helfen:

  • Wie stehst du OT zu Konflikten im Liverollenspiel?
  • Wie verhält sich dein Charakter, wenn er in einen Konflikt gerät?
  • Würde dein Charakter einen Konflikt eher provozieren, fördern oder eher vermeiden?
  • Ist dein Charakter geeignet, um Konflikte anderer zu deeskalieren?
  • Wie weit würde dein Charakter zum Lösen von Konflikten gehen?
  • Sind unbewaffnete oder bewaffnete Kämpfe Bestandteil seines Konfliktverhaltens?
  • Ist dein Charakter impulsiv, jähzornig, rachsüchtig oder eher langfristig berechnend?
  • Welche Themen, Handlungen oder Persönlichkeiten machen ihn wütend?

Weiter geht es im Kapitel "Spielunterstützung".